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Infos zum Wasserkraft-Disput |
Umweltverträglichkeit kleiner WasserkraftwerkeZur Frage der Umweltverträglichkeit kleiner Wasserkraftwerke hatte das Umweltbundesamt ein Forschungsvorhaben an das INSTITUT FÜR ÖKOLOGISCHE WIRTSCHAFTSFORSCHUNG (IÖW) vergeben. Dabei sollte geprüft werden, ob eine Abwägung zwischen der Emissionsersparnis aufgrund der regenerativen Kleinwasserkraftnutzung einerseits und der Naturbeeinträchtigungen andererseits möglich ist. Im Rahmen dieses Forschungsauftrages hatte das IÖW auch drei Workshops für Fachleute durchgeführt, um die "Konfliktlagen" bei Bau und Betrieb von Kleinwasserkraftwerken auszuloten.Weitere Auskunft: IÖW z.Hd. Herrn Norbert Herrmann Giesebrechtstr. 13 10629 B e r l i n Tel.: 030/884 594-29, Fax: 882 54 39 |
Ziemlich ratlose Fische vor der FischtreppeEin sehr schönes "Merkblatt" mit vielen Farbfotografien und bunten Schemata hat der DEUTSCHE VERBAND FÜR WASSERWIRTSCHAFT UND KULTURBAU (DVWK) 81ber Errichtung und Betrieb von Fischaufstiegsanlagen herausgegeben. Im Vorwort zu diesem DVWK-Merkblatt heißt es u.a.: "Zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern für Fische und andere aquatische Lebewesen gewinnen Fischaufstiegsanlagen zunehmend an Bedeutung. Fischaufstiegsanlagen bieten in der Regel die einzige Möglichkeit, Aufstiegshindernisse für die Aquafauna passierbar zu machen. Damit erhalten sie eine Schlüsselstellung bei der ökologischen Verbesserung der Gewässer. Voraussetzung für die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer ist jedoch die Funktionsfähigkeit der Fischaufstiegsanlagen. Untersuchungen an bestehenden Fischaufstiegsanlagen haben gezeigt, daß viele Anlagen nicht funktionsfähig sind." Wie man Fischaufstiegsanlagen demgegenüber richtig berechnet, dimensioniert und baut wird in dem "Merkblatt" anhand zahlreicher Positivbeispiele an Bild und Text auf 110 A4-Seiten dargestellt - wobei der Begriff "richtig" noch unter einem gewissen Vorbehalt steht. Denn: "Bei der Ausarbeitung des Merkblattes wurde deutlich, daß einige Fragen, insbesondere zur Gestaltung und Anordnung der Anlagen im Bereich von Stauanlagen mit Wasserkraftnutzung nicht abschließend beantwortet werden konnten. Die Ursachen liegen in erster Linie darin, daß gesicherte Daten über die Funktionstüchtigkeit von Fischaufstiegsanlagen nur in geringem Umfang vorliegen und das Verhalten von Fischen im Umfeld dieser Anlagen noch weiterer Klärung bedarf." Die Broschüre ist sicher eines der schönsten der zahlreichen DVWK-Merkblätter!Das Merkblatt 232/1996 "Fischaufstiegsanlagen - Bemessung, Gestaltung, Funktionskontrolle" (ISBN 3-89554-027-7) kann gegen Rechnung bezogen werden von der Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas- und Wasser mbH Josef-Wirmer-Str. 3 53123 B o n n Tel.: 0228/2589-400, Fax: -421 -ng- |
"Naturschutz gegen Ökologie" ...... lautet die Überschrift einer polemischen Auseinandersetzung von MANFRED LÜTTKE mit den "berufsmäßigen Ablehnern und Bedenkenträgern" gegen die forcierte Kleinwasserkraftnutzung. In WASSERTRIEBWERK 6/96, S. 87 - 93 zieht einer der wohl umtriebigsten Verfechter der Kleinwasserkraftnutzung in Deutschland gegen die Inkonsequenz der "Verhinderungsökologen" zu Felde. LÜTTKE wendet sich insbesondere gegen die undifferenzierte Forderung, die Gewässer für Wanderfische wieder durchgängig zu machen. Der Feldzug der Ökologie gegen Wehre sei "unredlich und verfehlt". Die Wehre seien "notwendiger Bestandteil der verkürzten und begradigten Gewässer". Denn: "Ohne Wehre würden die Flüsse weiter erodieren, der Grundwasserspiegel absinken und die Landschaft versteppen." In dem Aufsatz "Naturschutz gegen Ökologie - Konflikte bei der Zulassung einer Wasserkraftnutzung" vertieft und variiert MANFRED LÜTTKE seine Thesen in der WASSERWIRTSCHAFT 12/96, S. 636 - 638. Statt die Wasserkraftnutzung z.B. unsinnigerweise mit "unverhältnismäßigen Fischwegen" zu belasten, "wäre es wichtiger und weit effizienter, die Einstiegsmöglichkeiten für kleine naturbelassene saubere Laichbäche wieder zu öffnen, um die natürliche Reproduktionsfähigkeit der Bestände zu fördern". |
"Dynamische Mindestwasserregelung" für Ausleitungskraftwerke!H 6/96 der WASSERWIRTSCHAFT ist schwerpunktmäßig dem Niedrigwasserabfluß bei Wasserkraftanlagen gewidmet. Neben einigen weiteren Aufsätzen zu diesem Thema beschäftigt sich URSULA SCHMEDTJE mit dem Problemkreis=Ökologisch begründete Festlegung von Mindestabflüssen: Die zentrale Bedeutung der sohlnahen Strömungsverhältnisse" (S. 326 - 330). Die Autorin kommt zum Schluß, daß bei der Festlegung von Mindestabflüssen mehr Augenmerk als bislang auf die sohlnahen Strömungsverhältnisse gelegt werden muß. Denn die unterschiedlichen sohlnahen Strömungsverhältnis sind von entscheidender Bedeutung für die Artenzusammensetzung und Verteilung der Kleintiere ("Makrozoobenthos"). Die bislang vorgenommene ökologische Bewertung von Wasserkraftanlagen anhand des Mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) läßt diese Sachverhalte unberücksichtigt. Und am Schluß ihrer Erörterung stellt die Mitarbeiterin des Bay. Landesamtes für Wasserwirtschaft fest: "In einem Ausblick soll noch auf die große Bedeutung der Abflußdynamik für Fließgewässersysteme hingewiesen werden. Diese kann für die Besiedlung der Ausleitungsstrecken noch wichtiger sein als der Mindestabfluß selbst. Ziel sollte sein, die natürliche Abflußdynamik so weit wie möglich in eine `dynamische Mindestwasserregelung' einzubeziehen. Die Konstanz des Abflusses führt zur Monotonisierung der Lebensbedingungen in der Ausleitungsstrecke, eine weitgehend erhaltene Abflussdynamik¤fördert dagegen die Vielfalt der Lebensformen." |
Wasserkraftnutzung: Wie groß muß der Mindestabfluß sein?Bald seit Jahrzehnten ist es zwischen aquatischen Naturschützern und Anglern einerseits und Wasserkraftwerksbetreibern andererseits strittig, wie groß in den Ausleitungsstrecken der Mindestabfluß sein muß, damit Kleintiere und Fische sich weiterhin einigermaßen wohl fühlen. Der sogenannte Bundeszukunftsminister hat wegen der endlosen Streitereien ein Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, um eine "vom Aufwand her vertretbare Methode der Festsetzung ökologisch und ökonomisch ausgewogener Mindestabflüsse" zu entwickeln. Was dabei herausgekommen ist, wird in einem neuen Infoblatt des BINE-SERVICE vorgestellt: Ein Modell, "mit dem zeitsparend und darum kostengünstig ein ökoloigsch relevanter Mindestabfluß für Ausleitungskraftwerke ermittelt werden kann. Das Modell ist anwendbar auf den Ober- und Mittellauf von Gebirgsbächen und -flüssen.Das Infoblatt "Mindestabfluß bei Wasserkraftwerken" (Nr. 12 v. Nov. 96; 4, 4 S.) kann kostenlos angefordert werden beim BINE Informationsdienst Melchenstr. 57 53129 B o n n Tel.: 0228/232 086, Fax: 232 089 |
Alles über den Mindestwasserabfluß ...... enthält die Schwerpunktausgabe 7-8/97 der WASSERWIRTSCHAFT. Abgedruckt sind die Kurzfassungen zahlreicher Referate, die auf dem Internationalen Symposium "Ermittlung ökologisch begründeter Mindestwasserregelungen" im Febr. 97 in Stuttgart gehalten worden sind. Vorgetragen wurde die Ergebnisse aktueller Forschungsvorhaben zur Festlegung ökologisch verträglicher Restwassermengen bei Wasserkraftwerken. Zu diesem Symposium finden sich empörte Anmerkungen von MANFRED LÜTTKE in der Zeitschrift WASSERTRIEBWERK 8/97, S. 119 - 122. Der umtriebige Kämpfer für die Wasserkraftnutzung kritisiert in seiner unnachahmlich polemischen Art in dem Aufsatz "Ausgewogenheit in der Restwasserfrage ist angesagt" die einseitige - weil wasserkraftkritische - Ausrichtung der Referenten und des Auditoriums: "Die Befürworter der Wasserkraftnutzung befanden sich hoffnungslos in der Minderheit, wobei es immer wieder auffällt, daß der harte Kern der Anti-Wasserkraftkämpfer sich aus den Beschäftigten des o.g. öffentlichen Dienstes rekrutiert, also von einer Personengruppe vertreten wird, deren risikoloses Gehalt vom Steuerzahler finanziert werden muß." |
"Wieder Wasser auf die Mühlen" ...ist im BRENNPUNKT ENERGIE 3/97 (herausgegeben von der "Energieagentur Nordrhein-Westfalen") ein Aufsatz über die Nutzung von Kleinstwasserkraftpotentialen mittels einer neuen Generation von Wasserkrafträdern überschrieben. Um sich die Reibungsverluste durch mehrstufige Getriebe zu ersparen, arbeiten die neuen Wasserkrafträder mit verlustarmen Planentengetrieben. Das neue an der Entwicklung ist die Möglichkeit, "nun Minikraftwasserkraftpotentiale bis unter 5 kW Leistung wirtschaftlich nutzen zu können. Auch im Leistungsbereich bis 10 kW sind diese Wasserräder den Turbinen wegen deren hohen bautechnischen Aufwands bei der Wasserzufuhr überlegen. Weitere Vorteile bieten Wasserräder bei sehr kleinen Höhenunterschieden und häufigem Teillastbetrieb." Mittels der neuen Wasserradkonstruktion ließen sich nach Auffassung der Nordrhein-westfälischen Energieagentur viele der ehemals betriebenen 100.000 Wassermühlen zur Stromerzeugung wieder reaktivieren.Die Energieagentur NRW hat die Informationen zu den Wasserrädern der "Bega Wasserkraftanlagen GmbH" und ihrem Einsatz in der Broschüre "Innovative Wasserräder" zusammengefaßt, die kostenlos angefordert werden kann bei: Energieagentur NRW Morianstr. 32 42103 W u p p e r t a l Tel.: 0202/24 55 20, Fax: 24 55 230 Internet: http://www.ea-nrw.de Bei der gleichen Anschrift kann auch kostenlos der "Brennpunkt Energie" abonniert werden. |
"Ungunstbereiche" für KleinwasserkraftwerkeIn Analogie zu Rahmenkonzepten für Windkraftanlagen stellt JÖRG VOLKMANN in WASSER&BODEN 1/98, S. 38 - 42, die Methodik für die "Ermittlung von Gunst- und Ungunstbereichen für die Kleinwasserkraftnutzung" vor: Je naturferner der jeweilige Gewässerabschnitt, je dreckiger der Bach und je höher das Wasserkraftpotential, desto mehr Pluspunkte gibt es für die Wasserkraftnutzung ("Gunstbereich"). Beispielsweise schlagen bei einer Gewässergüte IV (= übermäßig verschmutzt) drei Pluspunkte#zugunsten einer beabsichtigten Wasserkraftnutzung zu Buche. (Aber was ist, wenn sich nach der Installation eines Kleinwasserkraftwerkes durch den au einer Kläranlage die Gewässergüte drastisch verbessert?). In einem weiteren Aufsatz beschäftigen sich THOMAS HEILMAIR et al in dem Aufsatz "Grundlagenforschung zur Wasserkraftnutzung: Turbinenanströmung und Mindestabfluß in Ausleitungsstrecken" (S. 43 - 49) zum einen damit, ob eine Verbesserung des Wirkungsgrades durch eine optimale Turbinenanströmung erreicht werden kann. Zum anderen wird diskutiert, wie die ökologisch wichtige sohlnahe Fließgeschwindigkeit von der Mindestwassermenge, aber auch von der Bettstruktur und anderen Faktoren abhängig ist. |
Läßt sich die notwendige Mindestwassermenge objektivieren?Bei Ausleitungsstrecken für Wasserkraftwerke werden für das eigentliche Bach- oder Flußbett Mindestwassermengen festgelegt. Allerdings scheint niemand so genau zu wissen, ob die behördlich festgesetzten Mindestwassermengen tatsächlich den Ansprüchen der Gewässerfauna und -flora angepaßt sind - zumal bei der Festlegung der Mindestwassermengen "die enorme Bedeutung der Gewässerbettstruktur in herkömmlichen Ansätzen nicht berücksichtigt wird". Abhilfe soll hier der "Einsatz des Simulationsmodells PHABSIM zur Festlegung von Mindestwasserregelungen" bringen. Über das reichlich komplizierte Simulationsmodell - das zudem noch einen hohen Kalibrierungsaufwand erfordert - berichten KLAUS JORDE & MATTHIAS SCHNEIDER in WASSER&BODEN 4/98, S. 45 - 49. Die Mitarbeiter des Instituts für Wasserbau der Stuttgarter Uni scheinen von der Sinnhaftigkeit des Modells überzeugt. Angesichts der aufwendigen Voruntersuchungen und des hohen Kalibrierungsaufwandes, die erforderlich sind, um das Modell zum laufen zu bringen, bleibt es allerdings fraglich, ob dieser Aufwand mit der behaupteten Objektivierung der Mindestwasserregelungen noch in einem vernünftigen Verhältnis steht. Fraglich bleibt letztlich auch, ob der Simulationsaufwand tatsächlich zu einer Objektivierung der Mindestwasserregelung führt - zumindest solange wie das Modell nicht in der Lage ist, die kleinräumigen Habitatstrukturen abzubilden, auf die es den Fischen und Kleintieren letztlich ankommt. Vielleicht käme eine erfahrene Limnologin oder sogar ein gewiefter Angler mit jahrzehntelanger Naturbeobachtung zu einem objektiveren Vorschlag für die notwendige Mindestwassermenge als das hochgestochene PHABSIM-Modell aus den USA!-ng- |
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Text Nik Geiler © 1996-2002 AK Wasser |