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Infos zum Wasserkraft-Disput |
Die Chancen der Wasserkraft ...... sind nicht sehr günstigZu diesem Fazit kommen ECKHARD RITTERBACH & LUDWIG KRONS in dem Aufsatz "Wasserkraft - Auslaufmodell oder Energieträger mit Zukunft" in WASSER&BODEN 3/98, S. 10 - 14. Die beiden Mitarbeiter der RWE ENERGIE AG untersuchen die noch möglichen Potentiale der Wasserkraftnutzung in Deutschland, in Europa sowie in Übersee und analysieren die wirtschaftliche Realisierbarkeit. Fazit: Anstatt in die Wasserkraftnutzung zu investieren, könne ein Investor sein Geld deutlich profitabler in modernen Gasturbinenkraftwerken anlegen. Auch die Kosten-Nutzen-Relationen der Wasserkraftnutzung zur Eindämmung des CO2-Ausstosses werden von den Autoren analysiert: "Errechnet man die spezifischen Investitionskosten zur Vermeidung einer Tonne CO2 für verschiedene Arten der Stromerzeugung, so schneiden Wirkungsgradverbesserungen an herkömmlichen Kraftwerken mit 11 DM/t am günstigsten ab, unmittelbar gefolgt von neuen Kernkraftwerken modernster Bauart mit 10 - 15 DM/t. Die Wasserkraft erreicht mit 15 - 20 DM/t einen vergleichbaren Wert. Andere regenerative Energien wie Windkraft und Photovoltaik liegen mit 100 bis 150 bzw. 1000 DM/t jedoch weit darüber." Wobei noch folgendes zu berücksichtigen sei: "Die Modernisierung oder der Ersatz veralteter Kraftwerke und Produktionsanlagen in der Dritten Welt bringt noch einmal wesentlich mehr Brennstoff- und damit CO2-Ersparnis als die wirkungsgradverbessernden Maßnahmen in der Bundesrepublik". Und noch einen Seitenhieb auf die hiesige Umweltdiskussion können sich die beiden RWE-Mitarbeiter nicht verkneifen: "Die Diskussionen um Barrierewirkung, Restwassermengen und Rechengutentsorgung haben hierzulande eine ökologische Überregulierung ausgelöst, die angesichts der ernstzunehmenden globalen Energie- und Umweltprobleme kaum mehr nachvollziehbar ist und die die Wasserkraft letztlich nur unwirtschaftlicher macht im Vergleich zu den konkurrierenden Energieträgern." |
Preisgünstiger Atomstrom zur CO2-Bekämpfung?Zur Preiswürdigkeit des Atomstroms, die in der vorstehenden Notiz behauptet wurde, finden sich in der Zürcher WELTWOCHE v. 16.4.98 unter der Überschrift "Schluss mit der nuklearen Denkpause" einige interessante Ausführungen. Grund des Seite 1-Artikels ist das vor zehn Jahren von der Schweizer Bevölkerung beschlossene Moratorium für den weiteren Ausbau der Atomenergie. Das Moratorium wird im Jahr 2000 auslaufen. "Im Gegensatz zur früher sind heute allerdings auch die finanziellen Risiken der Kernenergie bekannt. Die Entsorgung der fünf schweizerischen Kernkraftwerk würde Kosten von rund sechszehn Milliarden Franken verursachen. Doch bereits der normale Betrieb ist sagenhaft teuer: So kostet eine in Leibstadt produzierte Kilowattstunde mehr als acht Rappen. Für die gleiche Menge müssen auf dem freien Strommarkt (aus französischen AKW? Anm. BBU) nur drei bis fünf Rappen bezahlt werden. Die Differenz von rund vier Rappen geht voll zu Lasten der Konsumenten, was einer Subvention von fast einer Million Franken pro Tag entspricht. Die Stromwirtschaft hat kein Interesse daran, mit solch schlechten Zahlen öffentlich hausieren zu gehen, zumal die bevorstehende Liberalisierung des Strommarkts die Konkurrenzfähigkeit des Atomstroms zusätzlich verschlechtert." (Ein Schweizer Franken = ca. 1,25 DM) |
Die Auseinandersetzung um die Kleinwasserkraftnutzung ...... wird jetzt auch in der POLITISCHEN ÖKOLOGIE ausgefochten. In der Ausgabe 57/58 v. Jan./Febr. 99 stellen MANFRED LÜTTKE von der "Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V." und SEBASTIAN SCHÖNAUER als Sprecher des Ak Wasser beim BUND ihre Positionen gegeneinander. Während sich SCHÖNAUER zum Schutz der Bäche grundsätzlich gegen jeden weiteren Ausbau der Kleinwasserkraftnutzung ausspricht, vertritt LÜTTKE die Auffassung, daß durch eine Ausweitung der Kleinwasserkraftnutzung sogar noch der aquatische Naturschutz gefördert werden könnte: "Trotz der zehnmal größeren Dichte der Wasserkraftnutzung in den zurückliegenden Jahrzehnten war damals die fischereiliche Artenvielfalt und der Fischbestand weit größer als heute. Der Rückgang der Fischbestände hat mithin nichts mit der Wasserkraftnutzung zu tun. Verursachend sind hierfür die Begradigung der Gewässer, die Eutrophierung, die Verschmutzung, die Versauerung, vor allem aber die Beseitigung der Wiesenwässerungssysteme und die Verrohrung der Quell- und Laichbäche im Zusammenhang mit dem modernen Straßenbau. Wenn diese Sünden der Vergangenheit mit dem Neubau von Wasserkraftwerken rückgängig gemacht werden, dann haben wir mehr Strom aus Wasserkraft, aber auch wieder mehr Fische und mehr aquatische Artenvielfalt." Unermüdlich verficht LÜTTKE seinen Standpunkt hauptsächlich in der Zeitschrift "wassertriebwerk", dem "Verbandsorgan des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke und der Arbeitsgemeinschaften Wasserkraftwerke der Bundesländer". In "wassertriebwerk" hat LÜTTKE in den letzten Monaten zahlreiche Aufsätze veröffentlicht, in denen er anhand zahlreicher Beispiele versucht, seine Positionen ausführlich zu belegen.Probeexemplare dieser monatlich erscheinenden Zeitschrift (Jahresabo 77,65 DM, Einzelheft 6,60 DM) gibt es beim Verlag Moritz Schäfer GmbH & Co. KG Paulinenstr. 43 32756 D e t m o l d Tel.: 05231/246 37, Fax: 358 96 |
Alle Argumente gegen die Wasserkraftnutzung ...... sind in dem Buch "Rettet unsere Flüsse" zusammengetragen worden. Wer gegen die Wasserkraftnutzung - z.B. als Angler oder Naturschützer - angehen will, kann sich mit diesem Buch munitionieren. Anhand zahlreicher Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien wird die landschaftliche Schönheit von Flüssen, Bächen, Schluchten und Talauen illustriert - und den Abbildungen von betongrauen Talsperren und tristen Staustufen gegenübergestellt: "Mit der brutalen Härte eines Bunkers riegelt das Kraftwerk den Fluß ab". Auch die wasserlosen Bachbetten infolge von Ausleitungskraftwerken werden in all ihrer Trostlosigkeit eindrucksvoll illustriert: "Den Preis für die Wasserkraft zahlen unsere Flüsse! Ihr fielen bisher 8.000 km Flüsse zum Opfer. Der vollständige Ausbau würde mit dem Verlust von weiteren 20.000 km Fließgewässern erkauft. Danach gäbe es keine Flüsse mehr, sondern nur noch Staue und Ausleitungen. Trotzdem könnte die Wasserkraft nur etwa 1,4 % der Primärenergie liefern." Angesichts dieser Relationen sei es "überraschend und ärgerlich, daß seit Beginn der achtziger Jahre auch der Bund Naturschutz den Ausbau der Wasserkraft verlangt", kritisieren die Autoren und titulieren die "Umweltschützer als Speerspitze der Wasserkraftideologie". Anschließend setzen sich die Autoren mit zahlreichen Energieszenarien auseinander, um eine "Energieerzeugung mit weniger Wasserkraft" zu begründen. Angesichts der Landschafts- und Naturzerstörung durch die Wasserkraftnutzung sei die Leistung der Wasserkraftwerke ziemlich mickrig: "Mittlere Werke weisen gerade mal die Leistung einer halben Lokomotive." Und: "Der Star unter den deutschen Wasserkraftwerken [Walchensee-Kraftwerk: 37.000 kW] leistet nicht mehr als die Triebwerke eines einzigen Flugzeugs." Wobei diese Leistungs-Vergleiche etwas schief sind: Während das Wasserkraftwerk praktisch das ganze Jahr über läuft, produzieren die Motoren von Lokomotiven und die Turbinen von Flugzeugen nicht ununterbrochen "Arbeit". Aber auch wenn man die Jahreserzeugung von Arbeit vergleicht, kommt die Wasserkraft nicht sonderlich gut weg: Die Jahreserzeugung aller deutschen Wasserkraftwerke (16 - 20 TerraWattstunden/a) ersetzt gerade mal zwei große Wärmekraftwerke. An vielen emotional gefärbten Beschreibungen erkennt man, aß dieses "Anti-Wasserkraft-Buch" mit viel Herzblut geschrieben worden ist.BERND UHRMEISTER, NICOLA REIFF, REINHARD FALTER: "Rettet unsere Flüsse - Kritische Gedanken zu Wasserkraft" 164 S., Oberschleißheim, 1998, ISBN 3-925660-59-3 Pollner Verlag Rotdornstr. 7 85764 O b e r s c h l e i ß h e i m |
Wasserkraftverdammnis: Die Antikritik ...... zu dem Buch "Rettet unsere Flüsse - Kritische Gedanken zu Wasserkraft" hat uns der Wasserkraftapologet MANFRED LÜTTKE geschickt. Zur Rezension im RUNDBR. 506/1-2 zu diesem Buch, das die Wasserkraftnutzung rundweg ablehnt, hat uns der Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e.V." u.a. folgendes geschrieben: "Mit der Minimierungsmethode der Verfasser dieses Buches kann man alles verniedlichen oder kleinreden. Beispiel: Die Nutzung der Solarenergie ist so ineffizient und unwirtschaftlich, daß es besser ist, darauf zu verzichten, der hierdurch erreichte Anteil am Primärenergieverbrauch ist so gering, daß man den Anteil rechnerisch noch nicht einmal in Promille erfassen kann. (...) Eine ICE-Lokomotive mit 10 bis 12.000 kW Leistung verbraucht im Jahresmittel gemäß Angaben der Bundesbahn minimal 2 Mio., max 3 Mio. KWh, da die Spitzenleistung ja nur übe die Dauer von Sekunden, max. wenige Minuten, zum Anfahren und Beschleunigen benötigt wird. Ein Wasserkraftwerk mit 12.000 kW aber erreicht im Jahresmittel zwischen 5- und 6.000 Volllaststunden, also zwischen 60 und 72 Mio kWh. Dies stellt eine ausreichende Strommenge dar, um im Jahresmittel zwischen 24- und 30 ICE-Lokomotiven samt angehängten Zügen betreiben zu können." Hinsichtlich der von den Buchautoren behaupteten geringen Effizienz der Wasserkraftnutzung weist LÜTTKE ferner daraufhin, daß zum Ersatz der deutschen Wasserkraftwerke nicht zwei, sondern sechs bis sieben große Wärmekraftwerke vonnöten wären. "Bei seriöser Betrachtung muß dann auch berücksichtigt werden, daß zum Erzeugen von 22 Mrd. kWh aus Wasserkraftstrom in Kohlekraftwerken jährlich zusätzlich weitere (...) 66 Mio. Tonnen Steinkohle verfeuert werden müßten" - was wiederum die Freisetzung von 22 Mio. Tonnen Kohlendioxid zur Folge hätte Wie bereits in früheren RUNDBR. erwähnt, legt LÜTTKE großen Wert darauf, daß Querbauwerke (also auch Wasserkraftanlagen) in den Bächen und Flüssen den Fischreichtum nicht beeinträchtigen, sondern sogar vermehren. Hierzu hat LÜTTKE den Aufsatz "Fische sind keine Kulturflüchter, Wehrbauwerke und Ufermauern fördern regelmäßig den Fischbestand" beigefügt.Bezug und weitere Auskunft: Herrn Manfred Lüttke Karlsruher Straße 113 76287 R h e i n s t e t t e n - F o Tel.: 0721/511 21, Fax: 51 71 55 |
Die Anti-AntikritikEine Stellungnahme zur Kritik von Herrn LÜTTKE an dem Buch "Rettet unsere Flüsse - Kritische Gedanken zur Wasserkraft" hat uns einer Autoren geschickt. Wir zitieren auszugsweise aus dieser Stellungnahme: "In seiner Stellungnahme zum Buch "Rettet unsere Flüsse - Kritische Gedanken zur Wasserkraft beklagt Herr Lüttke, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg, die Autoren hätten die Methode der Minimalisierung angewendet, um die Wasserkraft klein zu reden. Wir sehen uns außer Stande, deren Beitrag von 1.1% zur Gesamtenergieversorgung Deutschlands groß oder gar "gewaltig" zu nennen. Gleiches gilt für den Zuwachs von 0.4%, der sich bei totalem Ausbau bis hin zum letzten Fluß ergeben würde. Wie man es auch immer dreht und wendet: die Wasserkraft ist und bleibt verschwindend gering. Das weiß natürlich auch Herr Lüttke und geht deshalb auf diese Kernaussage des Buchs nicht ein. Als Meister der von ihm bemäkelten Methode der Minimalisierung erweist er sich, wenn es um die Schäden durch Wasserkraftnutzung geht. Kein Wort verliert er darüber, daß durch Stau und Ausleitung die strömungsliebenden Tier- und Pflanzenarten verschwinden, die Wehre die Fischwanderung unterbinden, die Selbstreinigungskraft der Flüsse verringert wird. (...) In selbstverfertigten Studien behauptet er [LÜTTKE], daß die Wasserkraftanlagen die Fischausbeute vergrößern. Mag sein, daß ein Stausee mehr Tonnen Fleisch einer schnellwüchsigen Sorte produziert als die ursprünglichen Arten des strömenden Flusses erbracht hätten. Masse statt Klasse! So könnte sich jeder Bauer rechtfertigen, der eine Orchideenwiese umpflügt, um daraus einen Maisacker zu machen. Treffend faßt die Thüringer Initiative gegen Gewässerverbauung die Schäden zusammen: "Der Tod der Flüsse hat einen Namen: Wasserkraft!"Dr.-Ing. Bernd Uhrmeister Graf-Törring-Str. 55 82229 Hechendorf Tel.: 08152 76408 e-mail: Bernd.Uhrmeister@dlr.de Zu dem im RUNDBR. rezensierten Antiwasserkraftbuch hat uns Mitautor BERND UHRMEISTER noch mitgeteilt, daß das Buch "Rettet unsere Flüsse" nicht wie fälschlicherweise angegeben "ca. 40 Mark", sondern nur preisgünstige 19,90 DM kostet! Wobei der Autor anmerkt: "Der Preis von 19.90 DM ist für das 164 Seiten starke Buch mit seinen vielen Farb- und Schwarz-Weiss-Bildern als sehr günstig anzusehen." |
"Ökostrom" aus Wasserkraft?Wie "Ökostrom" aus Wasserkraft "glaubwürdig" zertifiziert werden könnte, erläutern CHRISITNE BRATRICH et al. in dem Aufsatz "Ökostrom - Neue Perspektiven der Wasserkraftnutzung" in der WASSERWIRTSCHAFT 10/99, S. 488 - 495. Vorgestellt wird in dem Aufsatz das Projekt der EAWAG zur Erarbeitung von Bewertungskriterien "für eine umweltgerechte Wasserkraftnutzung". Die EAWAG-MitarbeiterInnen schlagen vor, den von den StromkonsumentInnen gezahlten Ökostromaufpreis nicht in den Bau neuer Wasserkraftanlagen zu investieren. "Vielmehr sollte der Aufpreis die Sanierung der beeinträchtigten Gewässersysteme fördern." Das von den AutorInnen vorgeschlagene Zertifizierungsverfahren für "grüne Wasserkraft" baut auf zwei Stufen auf: 1. Die "Ökostrom-Basisanforderungen", die die Einhaltung aller gewässer- und naturschutzrechtlichen Vorgaben beinhalten. 2. Die "Ökostrom-Investitionen", die in eine weitergehende Sanierung des Einzugsgebietes des geschädigten Fließgewässers fließen: "Zur Ermittlung der optimalen Verbesserungsvarianten sieht das Zertifizierungsverfahren im dritten Schritt sogenannte Rund-Tisch-Gespräche vor, an denen unterschiedliche Interessensvertreter/innen einer Region beteiligt sind. Hier soll über die Verwendung der zusätzlichen Ökostrom-Gelder und über ihren ökologischen Einsatz verhandelt werden. (...) Das Ziel dieser Interessenabwägung ist es, möglichst viele Synergieeffekte für eine gesamtheitliche Aufwertung der Gewässersysteme auszunutzen."Weitere Auskunft: Frau Dipl.-Biol. Christine Bratrich EAWAG-Forschungszentrum für Limnologie CH - 6047 K a s t a n i e n b a u m e-mail: christine.bratrich@eawag.ch |
Gefährdet "Grüner Strom" Fließgewässer und Fische?Verärgert äußert sich die neue FISCHWAID 6/99 nicht nur über vermeintliche Aalschützer, sondern auch über die Zertifizierer von "Grünstrom". Gemeint ist damit das Freiburger Öko-Institut, das regenerativen "Grünstrom" - u.a. aus Wasserkraft - ein besonderes ökologisches Gütesiegel verleiht. In dem Kommentar "Zertifizierung von `grünem' Strom - Gefahr für unsere Fließgewässer und Fische" wird die Meinung vertreten, daß mit diesem Gütesiegel den VerbaucherInnen "überteuerter Ökostrom" angedreht werden soll - und das auch noch ohne Berücksichtigung der Folgeschäden der Wasserkraftnutzung. Eine Anfrage beim Öko-Institut, ob bei der Zertifizierung der grün angestrichenen Abschreibungsprojekte im Wasserkraftsektor die Folgeschäden für die Gewässerökologie berücksichtigt würden, soll unbeantwortet geblieben sein. Fazit der FISCHWAID: "Trotz fragwürdiger Zertifizierung von Grünstrom und Bescheinigung der Umweltfreundlichkeit von Strom aus Wasserkraft dürfen wir es nicht hinnehmen, daß die Wasserkraft weiter ausgebaut, Fließgewässer ökologisch zu Grunde gerichtet werden und das jährliche wiederkehrende Gemetzel bei Aalen [in den Turbinen der Wasserkraftanlagen; Anm. BBU], abwandernden Lachssmolts und anderen Fischen wider besseres Wissen hingenommen wird." |
Tatort AusleitungsstreckeDie Autoren der DVWK-Schrift "Ermittlung einer ökologisch begründeten Mindestwasserführung mittels Halbkugelmethode und Habitat-Prognose-Modell" sind wie viele weitere Fachkollegen der Meinung, daß verschiedene Fließgewässertypen zur Erhaltung ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit auch ganz unterschiedliche Mindestwasserführungen erfordern. Die Mindestwasserführungen sollten sich nicht an hydrologischen Kenngrößen wie Mittelwasserabfluß (MQ) oder dem langjährigen mittleren Niedrigwasser (MNQ) orientieren. In Ba.-Wü. z.B. soll im Jahresmittel ein Drittel des MNQ im Restwasserbett fließen, als Niedrigstwasserführung ist laut Erlaß 1/6 des MNQ vorgesehen. Ziel des Forschungsprojektes war, eine Standardvorgehensweise zu entwickeln, die von Behörden und Gutachtern mit wenig Untersuchungsaufwand durchgeführt werden kann und zu reproduzierbaren Ergebnissen führt. Als wichtigstes Kriterium zur Erhaltung der typischen Artengemeinschaft der Fließgewässersohle werden die bodennahen Strömungsverhältnisse angesehen. Diese können einerseits mit der etwas umstrittenen Halbkugelmethode gemessen werden: 24 verschieden schwere Halbkugeln, Durchmesser ca. 8 cm, werden in Driftversuchen der Strömung ausgesetzt. Andererseits kann mithilfe von Vermessungen des Bachbetts sowie einer Korngrößenanalyse das mitgelieferte "Habitat-Prognose-Modell" die Halbkugelverteilungen simulieren, so daß die arbeitstechnisch recht aufwendige Halbkugelmethode nicht zum Zuge kommt. Die graphische Darstellung der Verteilung der ermittelten Halbkugelnummern gibt Aufschluß über die Veränderungen des Strömungshabitats bei einer Abflußerniedrigung. Kombiniert werden diese Ergebnisse mit sog. Strömungspräferenzkurven der vorkommenden Organismen - i.d.R. Makrozoobenthosarten. Die Strömungspräferenzkurven geben an, bei welchen Strömungsverhältnissen die Tiere am liebsten vorkommen bzw. bei welchen Fließgeschwindigkeiten bzw. Abflüssen sie nicht mehr zu erwarten sind. (Die Bewertung dieses Werkes durch unsere Rezensentin in der nächsten Notiz.)-ur- |
Kann man die Ökologieder Ausleitungsstrecke berechnen? Versuche ich die Ergebnisse des zuvor genannten DVWK-Bandes zur Ermittlung der Mindestwasserführung zu bewerten, so komme ich zu folgenden Schlüssen:1. Die Messung der sohlnahen Fließgeschwindigkeiten ist mit Meßflügeln oder Induktionsmeßgeräten, die in Behörden und Büros auch eher verfügbar sind, viel weniger aufwendig. Es sollte möglich sein, derart erhobene Strömungsmessungen in das Verfahren mit einzubinden. 2. Für die Auswertung der Ergebnisse und die Festlegung des "richtigen" Mindestabflusses steht keine definitive Vorschrift oder ein mathematisches Verfahren zur Verfügung. Die ursprüngliche Absicht, ökologische Verhältnisse zumindest modellhaft berechenbar zu machen, wird nicht bis zum Endresultat 'Mindestabfluß' durchgezogen. 3. Die Anwendung des mitgelieferten Simulationsprogramms für den PC ist durch das Fehlen einer Dokumentation erschwert. 4. Für die Berücksichtigung von Organismen, die im Freiwasser, am Gewässerrand oder in der Aue leben sowie für das Einbinden von speziellen Begebenheiten wie Strukturdefizite, Gewässergüte, Schutz von besonderen Arten etc. werden weitere wichtige Kriterien und Orientierungsgrößen vorgeschlagen. Insgesamt enthält die Schrift keine wesentlich neuen Methoden oder Denkansätze. Der DVWK-Band faßt jedoch die bestehenden in eine praxisnahe Arbeitsanleitung zusammen, nach der mithilfe von Flußdiagrammen und verschiedener Checklisten auch unbedarfte Personen schnell ins Thema einsteigen können. DVWK (1999): Ermittlung einer ökologisch begründeten Mindestwasserführung mittels Halbkugelmethode und Habitat- Prognose-Modell. Schriftenreihe des Deutschen Verbandes für Wasserwirtschaft und Kulturbau e.V., Heft 123, 94 S., einschl. 2 Disketten Habitat-Prognose-Modell. DM 59.- (erm. 47,20 DM) -ur- |
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Text Nik Geiler © 1996-2002 AK Wasser |