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Infos über die französischen Wassermultis

Liebe BesucherInnnen unserer Homepage,
wer Infos über einen der beiden großen französischen Wassermultis sucht, wird nachfolgend fündig. Wir haben Euch hier aus unseren BBU-WASSER-RUNDBRIEFEN Notizen zur "Suez/Lyonnaise des Eaux" zusammengestellt.
Die aktuellsten Notizen finden sich zuoberst.

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Stadt Potsdam setzt EURAWASSER vor die Tür!

Die Stadt Potsdam hat sich am 19.6.00 vom privaten Mitgesellschafter des Wasserbetriebes Potsdam, dem deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen EURAWASSER (Berlin), getrennt.
Die von EURAWASSER anvisierten Gebührenerhöhungen seien für die Potsdamer unzumutbar, sagte Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) zur Begründung. Er kündigte an, dass es weder in diesem noch im nächsten Jahr zu Gebührenerhöhungen kommen wird. Die 235 Mitarbeiter sollen ihre Arbeitsplätze behalten. EURAWASSER war bisher mit 49 Prozent am Wasserbetrieb beteiligt.
Die Stadtverordneten hatten Ende 1997 der Teil-Privatisierung der Potsdamer Wasserwirtschaft zugestimmt, um mit den Geldern Haushaltslöcher zu stopfen. Die Kündigung des Kooperationsmodells wird die Stadt voraussichtlich fünf bis zehn Millionen Mark kosten. Von EURAWASSER war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. (dpa, 20.06.00)

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Grenoble schmeißt die Lyonnaise des Eaux raus!

Der Stadtrat von Grenoble hat den multinationalen Wasserkonzern "Suez/Lyonnaise des Eaux" gekündigt und übernimmt jetzt die kommunale Wasserversorgung wieder selbst. Bis zu diesem Schritt hat es zehn Jahre gedauert. Damals hatte sich Lyonnaise des Eaux mittels Bestechung Zutritt zur Wasserversorgung von Grenoble verschafft. Die Korruptionsaffäre hat inzwischen frankreichweit für Schlagzeilen gesorgt. Am 20. März 2000 hat der Stadtrat Konsequenzen gezogen und mit 46 Ja-Stimmen und 10 Enthaltungen aus der Opposition für die Rückkehr der Kommunalen Wasserversorgung und Abwasserverwaltung unter städtische Aufsicht gestimmt.
Die Befürworter einer konzernunabhängigen Wasserwirtschaft in Grenoble erklärten zu ihrem Erfolg: "Dies ist ein großer Sieg für alle die Grenobler, die 1989 den Verkauf ihrer Wasserversorgung abgelehnt hatten. Es ist ein Sieg der Nutzer-Vereinigungen, der ADES und ihrer Abgeordneten, die nie aufgehört haben zu kämpfen. (...) Die Verwaltung der Wasserversorgung muss transparent werden und der Verwaltungsrat muss die verschiedenen politischen Gruppierungen des Stadtrates repräsentieren, wie in jeder anderen städtischen Verwaltungsstruktur. Die Rückzahlung überteuerter Rechnungen seit 1989 muss organisiert werden. (...) Es bleibt also genug zu tun, aber laßt uns auch unseren Sieg feiern: Prost..."
Weitere Auskunft in franz. oder engl.: e-mail: ades@alpes-net.fr http://www.france-asso.com/ades/dossiers/eau/index.html
-al-

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Wer ist die Suez Lyonnaise des Eaux

Der französische Mischkonzern Suez Lyonnaise des Eaux (Paris) ist einer der weltweit größten Versorgungskonzerne. Auf Expansionskurs ist der in 120 Ländern tätige Konzern mit 217 000 Mitarbeitern vor allem im Ausland. Konzernchef Gúrard Mestrallet will die Suez-Gruppe im Wettbewerb mit dem Erzrivalen VIVENDI zum weltweiten Marktführer in den Kernbereichen Energie, Wasserversorgung und Entsorgung machen.
Der Konzern entstand Mitte 1997 aus einer Fusion des Versorgungsunternehmens Lyonnaise des Eaux SA mit der Finanz- und Industrieholding Compagnie de Suez, die 1858 für den Bau des Suez-Kanals gegründet worden war. Die Lyonnaise des Eaux hatte 1880 ihre Tätigkeit mit der Versorgung der drittgrößten französischen Stadt Lyon mit Wasser, Gas und Elektrizität begonnen. 1999 setzte der Konzern 31,5 Milliarden Euro um. Das Kerngeschäft wuchs um elf Prozent auf 23,8 Milliarden Euro (Wasser plus 22,9 Prozent, Entsorgung plus 19,1 Prozent, Kommunikation plus 21,6 Prozent, Energie plus 23,1 Prozent). Der Gewinn kletterte um 45 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sind weitere zweistellige Zuwächse geplant.
Zum weltweiten Suez-Netz der Wasserversorger gehören die Wasserwerke Rostock. Seit Herbst 1999 ist die belgische Tractebel, die über die Tochterfirmen Electrabel und Distrigaz praktisch ein Monopol in der belgischen Energieversorgung hat, Teil des Konzerns. Suez Lyonnaise des Eaux ist damit ein Hauptakteur auf dem europäischen Energiemarkt (dpa).
Seit einiger Zeit wird an der Börse darüber spekuliert, daß die Suez/Lyonnaise des Eaux mit der deutschen VEBA/VIAG-Gruppe fusionieren könnte. Damit bekäme Suez/Lyonnaise des Eaux auch Zugriff auf den größten privaten Wasserversorger in Deutschland, der GELSENWASSER AG (s. RUNDBR. 552/2).
Aber nicht nur das: Über eine weitere Enkelin der VEBA, der THÜGA, würde die Suez-Gruppe Zugriff auf zahlreiche Stadt- und kommunale Wasserwerke bekommen. Die THÜGA ist an insgesamt 49 Stadtwerkegesellschaften direkt (z.B. in Freiburg) und an gut 90 Unternehmen indirekt beteiligt.

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Deutsch-französische Mega-Fusionen im Strom- und Wassermarkt?

Unter der Überschrift "Gerüchte über Versorger-Fusion begeistern Analysten" berichtete REUTERS am 24.3.00 unter Berufung auf einen Artikel in der WELT von Spekulationen über eine Allianz der kürzlich erst fusionierten deutschen Mischkonzerne VEBA AG und VIAG AG einerseits und der französischen SUEZ LYONNAISE DES EAUX andererseits. Wasserwirtschaftlich interessant wäre die Megafusion, weil dadurch die GELSENWASSER AG unter die Kontrolle des zweitgrößten Wassermultis der Welt, der SUEZ LYONNAISE gelangen würde. Die GELSENWASSER AG (s. RUNDBR. 549/2, 545/1-2) ist eine Tochter der VEBA AG. Derzeit zeichnet sich GELSENWASSER dadurch aus, daß in der GELSENWASSER-Zentrale in Gelsenkirchen noch der "rheinische Kapitalismus" praktiziert wird - wozu beispielsweise auch eine vorbildliche Grundwasserschutzpolitik und ein hohes Umweltengagement gehören.
Wenn sich die Fusionsgerüchte mit SUEZ LYONNAISE bewahrheiten sollten, muß befürchtet werden, daß sich sukzessive auch bei GELSENWASSER eine Wasserpolitik durchsetzen könnte, die sich stärker am Shareholder Value orientiert. Für den GELSENWASSER-Vorstand dürfte die ganze Fusionitis übrigens auch deshalb besonders heikel sein, weil RWE durch die Übernahme von VEW seit kurzem als Minderheitsaktionär bei dem Gelsenkirchner Wasserkonzern fungiert. Insofern könnten die Zukunftsperspektiven für GELSENWASSER zwischen VEBA/VIAG und REW/VEW besonders delikat werden!
Mit der Allianz von VEBA/VIAG und SUEZ LYONNAISE würde ein europäischer Riesenversorger mit einer Marktkapitalisierung von 75 Milliarden Euro entstehen. VEBA und VIAG würden rein rechnerisch mit rund 230 Milliarden Kilowattstunden beim Stromabsatz zur Nummer zwei in Europa, der italienischen Enel, aufschließen und damit dem härtesten Konkurrenten, die Essener RWE AG, vorläufig den Rang ablaufen. An der Börse meint man lt. REUTERS, daß VEBA & VIAG "letztlich keine andere Wahl" hätten, als sich mit SUEZ LYONNAISE zusammenzuschließen. "Schließlich gebe es schon lange Gerüchte, dass sich die RWE mit dem französischen Mischkonzern Vivendi über ein Zusammenrücken unterhielten. (...) Dass der Konzern auf dem Weg zu einem Multi-Utility-Konzern noch im Wasser-Bereich Zukaufbedarf habe", hätte auch VIAG-Chef WILHELM SIMSON wiederholt deutlich gemacht. Sollte sich RWE tatsächlich mit VIVENDI (s. 551/1) verbünden und die Allianz zwischen VEBA/VIAG und SUEZ LYONNAISE zustandekommen, dann würde eine derart gigantische Marktmacht in den deutschen "Wassermarkt" hineinbranden, daß es ziemlicher Anstrengungen bedürfte, um eine ökologisch und nachhaltig ausgerichtete Wasserwirtschaft nicht völlig untergehen zu lassen!

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"Brutale Drohungen sollen Kritiker einschüchtern" ...

... lautet eine Zwischenüberschrift in einem Artikel der ZEIT vom 28.01.99. Wenn's denn stimmt, wäre es ziemlich ungeheuerlich, was da im Wirtschaftsteil unter der Überschrift "Übertölpelte Kommunen - Private Wasserversorger in Frankreich fordern häufig zu hohe Preise" zu lesen steht (S. 22). Berichtet wird, mit welchen üblen Methoden die Suez-Lyonnaise des Eaux (s. RUNDBR. 415/1) und VIVENDI (ehemals Générale des Eaux) versuchen, einen Kritiker mundtot zu machen. Der Filialleiter von Suez-Lyonnaise im Languedoc, JACQUES MICHEL, hatte sich nach seiner Pensionierung zur Aufgabe gemacht, Kommunen bei der Vertragsgestaltung mit den großen französischen Wasserkonzernen zu beraten. Als er begonnen hatte, die Vertragsbedingungen nachzurechnen, zeigte sich in vielen Fällen, daß sein ehemaliger Arbeitgeber sowie VIVENDI die Kommunen richtiggehend ausgenommen hatten. Nach der Beratung durch MICHEL mußten die Wasserkonzerne ihre Gebührenforderungen in manchen Kommunen bis zu 39 Prozent herunterschrauben.
Die Rache der Wasserkonzerne ließ nicht lange auf sich warten: "Angesichts ihrer internationalen Ambitionen sind den französischen Wasserkonzernen die Aktivitäten ihres ehemaligen Mitarbeiters und die damit verbundene Publizität höchst unwillkommen. Jacques Michel hat den Mißmut der Unternehmen nicht nur mit Schadenersatzklagen zu spüren bekommen. Einmal hat ihm ein Unterhändler eine große Abfindung zugesagt, wenn er seine Buch- und Vertragsprüfungen einstellen würde. Ein anderes Mal hat die Polizei in Paris zwei bewaffnete Männer verhaftet, die gerade auf dem Weg waren zu Jacques Michel. Auftraggeber der Einschüchterungsaktion war ein leitender Angestellter der Générale des Eaux/Vivendi. Der Mann ist im Oktober 1997 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, größtenteils auf Bewährung. Sein Arbeitgeber hat ihm erstaunlicherweise dennoch nicht gekündigt, sondern ihn nach der Entlassung auf einen Auslandsposten versetzt."
Vielleicht muß doch mit einer neuen Qualität des "Geschäftsgebarens" gerechnet werden, wenn VIVENDI und Suez-Lyonnaise stärker als bislang im deutschen Wassermarkt Fuß fassen (vgl. RUNDBR. 487/1-2)!

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Als "die Neuordnung des französischen Kapitalismus" ...

... stufte das Renommierblatt LE MONDE die Elefantenhochzeit der LYONNAISE DES EAUX mit der Holding COMPAGNIE DE SUEZ ein. Durch die im April 97 erfolgte Fusion zur SUEZ-LYONNAISE DES EAUX hat der Mischkonzern jetzt eine Größe erreicht, die es ihm erlaubt, auf dem Weltmarkt souverän zu operieren. "Schon heute trinken 51 Millionen Menschen außerhalb Frankreichs das Wasser der Lyonnaise", schreibt die ZEIT v. 18.4.97 unter der Überschrift "Reif für den Weltmarkt". Und das HB vom 4.4.97 ergänzt, daß die Aktivitäten des Wassermultis sich bereits über 30 Ländern erstrecken und bis Ende 1997 die Zahl der von der LYONNAISE abhängigen Wasserkunden auf 70 Mio. Menschen gesteigert werden soll. Mit weltweit 190.000 Beschäftigten, einem Umsatz von 62 Mrd. DM, einem Börsenwert von 21 Mrd. DM und einem Gewinn von 600 Mio. DM kann der neue Dienstleistungsriese insbesondere den weltweiten Konkurrenzkampf mit seinem Erzrivalen, dem Versorgungs- und Kommunikationskonzern COMPAGNIE GÉNÉRALE DES EAUX (CGE) auf eine neue Stufe heben.
Lt. ZEIT ist es erklärtes Ziel von GÉRARD MESTRALLET, SUEZ-Präsident und künftigem Chef der Fusionsfirma, "Weltmarktführer bei den öffentlichen Dienstleistungen Energieversorgung, Wasser und Entsorgung zu werden." Bislang stand die LYONNAISE mit ihrem Kerngeschäft im Schatten des großen Konkurrenten GÉNÉRALE DES EAUX, war ziemlich überschuldet und hatte nicht den finanziellen background, der GÉNÉRALE im weltweiten Konkurrenzkampf um öffentliche Dienstleistungen ("public-utilities") überall und immer die Stirn zu bieten. Durch die Fusion ist jetzt aber nach dem Erdölkonzern ELF AQUITAINE der zweitgrößte französische Konzern entstanden (NZZ, 1.4., 5.4., 12.4.; Handelsblatt (HB), 25.3., 4.4., 7.4.97).

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Auch in Frankreich: Wasserpreis steigt und steigt

Nach einer Untersuchung der französischen Regierung stiegt der Wasserpreis zwischen 1991 und 1996 um durchschnittlich 9% jährlich oder fast 75% für den gesamten Zeitraum. Für die nächsten Jahre sind Steigerungsraten von etwa 5% jährlich vorgesehen, die vor allem auf die Anpassung der Klärtechnik an europäische Maßstäbe (EG-Kommunalabwasser-Richtlinie) zurückgeführt werden. Zur Zeit werden etwa 43% der oxidierbaren Stoffe in den Kläranlagen entfernt, die Zielvorgabe für das Jahr 2002 liegt bei 65%.
Die Berechnung des Abwasseranfalls erfolgt in Frankreich nach dem Frischwasseranfall. Ein Kubikmeter Wasser und Abwasser kostet demnach im Landesdurchschnitt etwa 5,- DM, wobei etwa 50 % für die Trinkwasseraufbereitung, 30% für die Abwasserbehandlung und 20% für die verschiedensten Steuern (« Abwasserpfennig ») entfallen. Ein Kubikmeter Abwasser kostet demnach im Durchschnitt mit Steuern 2,- DM (in Deutschland 3,40 DM). Hierbei gibt es jedoch sehr starke Differenzen innerhalb der Regionen: In der Bretagne (teuerste Region) ist der Kubikmeter Wasser/Abwasser fast sechs Mal so teuer wie in der Auvergne (billigste Region). Eine weitere Erkenntnis dieser Untersuchung besteht darin, daß Orte die Ihre Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung an private Firmen vergeben (die Regel in Frankreich) etwa 16% mehr für Ihre Wasserrechnung bezahlen als Orte, die sich selbst um ihr Wasser und Abwasser kümmern. Schließlich wollen die Wasserfirmen (Aktiengesellschaften) ja auch ihren Gewinn machen!
-mw-

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Text von Nik Geiler
© '2000 by AK Wasser